Für Autofahrende kann eine Radgruppe von hinten ein schwer lesbares Objekt sein: Wie lang ist sie, kommt jemand entgegen, reicht die Lücke? Bei der Antwort können wie behilflich sein.

Die folgenden Absprachen sind keine Vorschrift, sondern Gruppenpraxis. Sie funktionieren nur, wenn alle sie kennen, also vor der Tour kurz durchsprechen. Sortiert sind sie nach den Situationen, in denen sie gebraucht werden: Normalfahrt, Überholung von hinten, Gegenverkehr.
Normalfahrt: Sicht frei halten
Die Gruppe fährt hintereinander oder nur so weit nebeneinander, dass man durch sie hindurchsehen kann. Das gilt auch dort, wo Nebeneinanderfahren erlaubt ist: Erlaubt heißt nicht, dass es hilft. Ein breiter Block aus Rücken ist für alle anderen eine Wand.
Zwei Blickrichtungen sollen frei bleiben:
- Von hinten nach ganz vorn: Wer überholen will, muss die Straße vor der Gruppe sehen können.
- Von vorn nach ganz hinten: Wer entgegenkommt, muss das Ende der Gruppe erkennen können.
Die Spitze fährt weiter links
Die vorderste Person fährt etwas weiter links als der Rest der Gruppe. So sehen Autofahrende von hinten schon früh, wie lang die Gruppe ist, und können einschätzen, ob die Lücke zum Überholen reicht. Ohne diesen Versatz sehen sie eine Person und rechnen mit einer Person.
Ein Auto überholt von hinten
Wer hinten fährt, sieht das Auto zuerst. Die hinterste Person klingelt, und die Klingel wird nach vorn durchgegeben, bis sie die Spitze erreicht. So weiß die ganze Gruppe Bescheid, bevor das Auto neben ihr ist. Niemand muss sich umdrehen, niemand wird überrascht, und die Gruppe kann in dem Moment ruhig und gerade fahren.
Gegenverkehr kommt
Gegenverkehr ist das, was Überholende am schlechtesten sehen: Die Radgruppe kann ihn verdecken. Deshalb senden beide Enden der Gruppe je ein Signal, jedes an ein anderes Publikum.
Vorn: Hand raus. Die vorderste Person hält die Hand seitlich heraus. Das Zeichen richtet sich an das Auto hinter der Gruppe und sagt: Es kommt jemand entgegen, auch wenn du ihn nicht siehst.
Hinten: nach links ziehen, flache Hand raus. Die hinterste Person fährt ein Stück weiter nach links. Das richtet sich an den Gegenverkehr und zeigt: Hier fährt eine Gruppe. Das ist vor allem wichtig, wenn dort jemand selbst überholen will und von einer einzelnen Radfahrerin oder einem einzelnen Radfahrer ausgeht. Dazu hält die hinterste Person die flache Hand seitlich heraus: Das heißt, dass hier nicht überholt werden kann.
Kurzfassung
Fünf Handgriffe, die vor der Tour einmal besprochen werden und danach niemanden mehr beschäftigen.
| Situation | Wer | Was | Wozu |
|---|---|---|---|
| Normalfahrt | Alle | Hintereinander oder so versetzt, dass die Sicht frei bleibt | Durchblick von hinten nach vorn und von vorn nach hinten |
| Normalfahrt | Vorderste Person | Weiter links fahren | Länge der Gruppe ist von hinten erkennbar |
| Auto von hinten | Hinterste Person, dann alle | Klingeln, nach vorn durchgeben | Die ganze Gruppe weiß Bescheid |
| Gegenverkehr | Vorderste Person | Hand raus | Warnt das Auto hinter der Gruppe |
| Gegenverkehr | Hinterste Person | Etwas nach links ziehen, flache Hand raus | Der Gegenverkehr erkennt eine Gruppe und weiß, dass nicht überholt werden kann |
Das kostet ein paar Sekunden Absprache. Es ersetzt keine Rücksicht der anderen, aber es sorgt dafür, dass niemand behaupten kann, er habe von nichts wissen können.
Kleiner Tipp, mit Vorsicht
Wenn ihr wollt, könnt ihr Autofahrenden von hinten auch anzeigen, dass kein Gegenverkehr kommt, und sie so durchwinken. Macht das nur, wenn ihr wirklich sicher seid. Wer sich auf euer Zeichen verlässt, überholt womöglich in einen Gegenverkehr, den ihr nicht gesehen habt, und das kann sehr gefährlich werden. Im Zweifel: nicht winken.